Kurz vor Messebeginn wurde bekannt, dass die Uhrensparte von LVMH einen neuen CEO hat: Jean-Christophe Babin, der auch weiterhin Bulgari leiten wird. Dieser Zeitpunkt passte perfekt zu Bulgaris Debüt auf der Watches & Wonders. Zuvor hatte das Unternehmen seine Neuheiten in Genf präsentiert, nun verfügte es dafür über einen großen, farbenfrohen Stand im Palexpo. Bulgari feierte das Event mit einer spektakulären Präsentation neuer Uhren, darunter einige echte Überraschungen. Zusätzlich präsentierte das Unternehmen am Stand eine Mini-Ausstellung historischer und moderner Uhren und Schmuckstücke.
Die gesamte Uhrenstruktur von Bulgari basiert auf zwei außergewöhnlich starken Säulen: Serpenti und Octo Finissimo. Es handelt sich um zwei bemerkenswerte Kollektionen, die eine mit einer reichen Geschichte, die andere ein Beispiel für Innovation. Beide werden vom Haus Bulgari in einwandfreiem Zustand gehalten.
Beginnen wir mit der Octo Finissimo. Die bedeutendste Ankündigung von Bulgari auf dieser Messe ist zweifellos die neue Octo Finissimo Ultra Tourbillon, das flachste Tourbillon der Welt. Der Wettlauf um ultraflache Uhren begann vor über einem Jahrzehnt, und Bulgari ist in diesem Bereich stets führend. Das von Babin strategisch gewählte Konzept der Flachheit für Bulgaris Herrenuhrenkollektionen hat sich als brillante Wahl erwiesen – der aktuelle Rekord ist bereits der zehnte. Obwohl Richard Mille, Piaget und Konstantin Chaykin gelegentlich an diesem Wettbewerb teilnehmen, bleibt Bulgari unbeirrt.
Während das Altiplano Concept Tourbillon Piaget aus dem letzten Jahr mit 2 mm das bisher dünnste Tourbillon war, ist das aktuelle Bulgari-Modell lediglich 1.85 mm dick. Um ein derart schlankes Design zu erreichen, sind nicht nur die Wunder der Mikromechanik (mit dem neuen Kaliber BVL 900) und der Skelettierung (die die Uhr nahezu transparent macht) erforderlich, sondern auch die Verwendung fortschrittlicher Materialien – die Platine besteht hier aus Wolframkarbid. Die Geschichte der Weltrekorde der Octo Finissimo begann 2014 mit einem 1.95 mm dicken Tourbillon. Vor einem Jahr stellte Bulgari seinen bisherigen Rekordhalter vor, die Octo Finissimo Ultra COSC, ein Chronometer mit einer Dicke von 1.7 mm. Im August wurde dieser jedoch von Konstantin Chaykins Prototyp ThinKing um 0.05 mm übertroffen. Trotzdem bleibt die Ultra COSC die dünnste in Serie produzierte Uhr der Welt. Nun hat Bulgari nur 0.15 mm hinzugefügt und damit das flachste Tourbillon der Welt geschaffen. Wir erwarten zwar bald den nächsten Rekord, doch Bulgari beweist damit eindeutig seine herausragende Expertise in der Herstellung ultraflacher Uhren. Darüber hinaus ist die Hingabe der Uhrmacher für scheinbar abstrakte Konzepte wie Millimeterbruchteile wirklich beeindruckend.
Das Tourbillon war nicht die einzige Octo Finissimo Uhr bei W&W. Weitere bemerkenswerte Kreationen sind der Perpetual Calendar, der 2021 den Weltrekord für Flachheit aufstellte und nun in einer sandgestrahlten Roségold-Version erscheint, sowie die Octo Finissimo Automat in einer seltenen sandgestrahlten Gelbgold-Version. Erwähnenswert ist auch, dass unter den vielen atemberaubenden Stücken, die Bulgari in diesem Jahr präsentierte, die Octo Finissimo Marble Tourbillon, inspiriert von ihrer Marmoruhr für die Only Watch Charity-Auktion, besonders hervorstach. Solches Gelbgold ist heutzutage selten, und in Kombination mit einem Zifferblatt aus grünem Verde di Alpi-Marmor entsteht eine außergewöhnlich faszinierende Kombination, die an die Säulen und Altäre römischer Basiliken erinnert.
Der zweite Teil der Bulgari-Uhrenwelt, die Serpenti Aeterna, war ebenso erstaunlich. Bulgaris Chefdesigner Fabrizio Buonamassa Stigliani hat die figurativen Aspekte der legendären historischen Serpenti-Uhr endgültig hinter sich gelassen und sie in ein futuristisches, stromlinienförmiges Objekt verwandelt. „Aeterna ist mehr als eine Uhr oder Schmuckstück – sie ist der ultimative Ausdruck von Bvlgaris avantgardistischer Vision. Ich wollte die DNA der Serpenti einfangen, sie auf ihre Essenz reduzieren und in die Zukunft projizieren“, sagte Fabrizio. Das einzige Element, das an eine Schlange erinnert, sind die sechseckigen Zellen auf der Innenseite des Goldarmbands, wie ein entferntes Echo ihrer Schuppen. Fabrizio verfolgte diese Richtung bewusst und eliminierte nach und nach alles Schlangenhafte und war am Eröffnungstag der Ausstellung sichtlich erfreut und nahm Glückwünsche entgegen. Bisher wurden nur zwei Modelle vorgestellt – in Rosé- und Weißgold mit Schneepavé aus Diamanten – aber es ist klar, dass diese Linie erweitert wird.
Mit freundlicher Genehmigung von Bvlgari
Text: Elena Stafyeva