Am 25. Oktober 2025 eröffnet die Fondation Cartier pour l'art contemporain ihre neuen Räumlichkeiten am Place du Palais-Royal im 1. Arrondissement von Paris. Dieser markante Ort direkt gegenüber dem Louvre wurde vom weltberühmten Architekten Jean Nouvel entworfen. Das derzeitige Stiftungsgebäude in Montparnasse soll bis Ende des Jahres geschlossen werden und seine Funktion an die neuen Räumlichkeiten übergeben werden. Die 1984 von Alain Dominique Perrin, dem damaligen Vorsitzenden von Cartier, gegründete Stiftung fördert zeitgenössische Kunst, indem sie die Beziehung zwischen Schöpfung und Ausstellung in den Mittelpunkt ihrer Mission stellt und mit Künstlern aus verschiedenen Disziplinen zusammenarbeitet. Die neuen Räumlichkeiten stellen ein monumentales Projekt dar, das den jahrzehntelangen Dialog der Stiftung zwischen Schöpfung und Ausstellung in das Herz der Stadt bringt.
Der Neubau ist die Renovierung eines historischen Gebäudes aus dem Jahr 1855, das früher als Kaufhaus und Hotel genutzt wurde und nun zu einem 8,500 Quadratmeter großen Kulturraum mit rund 6,500 Quadratmetern Ausstellungsfläche umgebaut wurde. Durch die Glasdecken und großen Erkerfenster fällt Tageslicht in den Raum, während die Arkade, die die Rue de Rivoli mit der Rue Saint-Honoré verbindet, Passanten zum Hineinschauen einlädt. Indem die Architektur die Grenzen zwischen Stadt und Museum verwischt, verkörpert sie die Philosophie der Stiftung einer „offenen Kultur“.
Ein zentrales Element sind die fünf beweglichen Plattformen, die einen flexiblen Ausstellungsraum schaffen. Jede Etage lässt sich in Höhe und Konfiguration in elf Stufen verstellen, sodass der gesamte Veranstaltungsort an verschiedene Programme angepasst werden kann, darunter Videos, Performances, Musik und wissenschaftliche Präsentationen. Dieser Ansatz geht über die statische Natur eines traditionellen Museums hinaus und schafft eine lebendige, atmende Architektur. Nouvel, der auch das 1994 fertiggestellte Montparnasse-Gebäude der Stiftung entwarf, beschreibt die neue Einrichtung als eine Weiterentwicklung seiner früheren Arbeiten und bemerkt: „Architektur ist ein Instrument zur Messung von Veränderungen in Zeit und Licht. Die Fondation Cartier pour l'art contemporain verkörpert diese Philosophie in Verbindung mit Kunst.“
Zur Eröffnung präsentiert die Ausstellung „Exposition Générale“ rund 600 Werke aus der 40-jährigen Geschichte der Stiftung. Über 100 Künstler, die von den 1980er Jahren bis heute mit der Stiftung zusammengearbeitet haben, sind vertreten, darunter japanische Persönlichkeiten wie der Architekt Junya Ishigami, der Künstler Tadanori Yokoo und der Fotograf Daido Moriyama. Viele Werke entstehen im direkten Dialog mit den Künstlern selbst. Dadurch positioniert sich die Ausstellung nicht als Retrospektive, sondern als lebendiges Archiv, das die Stiftungsphilosophie der „kontinuierlichen Schöpfung“ widerspiegelt. Die Schau umfasst auch Kooperationen aus den Bereichen Mode, Tanz und Musik und schafft so einen immersiven Raum, in dem Kunst aktiv erlebt wird. Die beweglichen Plattformen ermöglichen die Anpassung von Höhe, Licht und Abstand für jedes Werk und verstärken so das Zusammenspiel von Architektur und Ausstellung. Die Bildungs- und Forschungsfunktionen wurden durch die Eröffnung von „La Manufacture“ erweitert, einer Bildungseinrichtung mit handwerklichen Workshops und Kunstprogrammen für alle Altersgruppen. Öffentliche Bereiche wie eine Café-Bar, ein Buchladen und ein kleines Theater ergänzen die Ausstellungsbereiche und machen die Einrichtung zu einem integrierten kulturellen Zentrum.
Die Aktivitäten der Stiftung gelten als Vorbild dafür, wie eine Luxusmarke über die Unternehmenskultur hinaus gesellschaftlichen Wert schaffen kann. Die Stiftung nutzt Cartiers globale Markenbekanntheit und finanzielle Ressourcen und legt Wert auf künstlerische Freiheit und Unabhängigkeit. Sie fungiert nicht als Werbeplattform, sondern als Fördersystem für kulturelle Aktivitäten. Die neue Einrichtung, das Ergebnis jahrelanger Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Kultur, bietet Cartiers neue Antwort auf die Frage: „Was sollten Unternehmen für die Kultur tun?“
Mit freundlicher Genehmigung: Foundation Cartier
Text: Elie Inoue